Die Apoldaer Eisenbahngeschichte
Quellenverzeichnis :
Kreisarchiv Apolda, Reichsbahnarchiv Erfurt, Cronfeld-Chronik Apolda,
Die Entwicklung der Thüringischen Eisenbahn ( Günter Fromm - Erich Hunger ) 1972
Der Apoldaer Viadukt - ein Verkehrsgeschichtliches Denkmal in " Apoldaer Heimat " 1983 ( Ernst Doms )
Thüringer Tageblatt
Thüringische Landeszeitung
Das Volk
Erarbeitet von Gerhard B. jun. Apolda
Der Bahnhof Apolda
und seine Geschichte
Zum Bau und zur Einweihung des Bahnhofs Apolda konnte bisher in den einschlägigen Archiven nichts gefunden werden. Es ist nur soviel
bekannt, dass sich Warteräume 1.-, 2.- und 3. Klasse, 2 Restaurants, Billett-, Telegraphenbüro (ab15.9.1862), ein Gepäckbüro und Räume
für signaltechnische Anlagen darin befanden.Im oberen Geschoss des Bahnhofs waren Wohnungen für den Stationsvorsteher und für andere
Beamte der Eisenbahn.
Am 13. Dezember 1846 begab sich der geheime „Finanz-Rath Mellin“ mit der Lokomotive und zwei Wagen nebst einigen Mitgliedern der Direktion
und einigen Technikern um 16 Uhr von Weißenfels auf die erste Probefahrt.Am Weißenfelser Bahnhof hatte sich eine große Menschenmenge
eingefunden, die diesem ersten Zug und seinen Mitreisenden ihre Glückwünsche zuriefen. Über Naumburg und Bad Kösen erreichte der Zug
ohne jede Störung Apolda, wo die Lokomotive Wasser tanken musste. Da inzwischen derr Abend hereingebrochen war hatte kaum noch jemand
den Zug erwartet.
Durch die Dunkelheit waren die Signale nicht mehr zu erkennen, daher ließ der Lokführer den Zug nur langsam und unter lang anhaltenden
Pfeiftönen weiterfahren. Das lockte aus den anliegenden Dörfern viele Neugierige herbei, die nun die Strecke säumten und den Zug bestaunten.Endlich
um 18.30 Uhr wurde Weimar erreicht und am folgenden Morgen kehrte die Lokomotive allein nach Weißenfels zurück. Der inzwischen auch
von der Landesregierung beauftragte geheime Finanzrat Mellin hatte sämtliche Bauwerke und Streckenteile für einwandfrei befunden.
So konnte die Einweihung für Sonnabend, den 19. Dezember 1846 festgelegt werden.Am Tag der Einweihung traf der Zug pünktlich um 8.00
Uhr in Weißenfels ein, und um 8.30 Uhr ging es weiter in Richtung Naumburg, wo den Zug noch verschiedene hohe Zivil- und Militärbeamte
bestiegen. Trotz des starken Gegenwindes und Schneegestöbers erreichte der Zug nach normaler Fahrtzeit um 10.30 Uhr den Apoldaer Bahnhof,
der mit einer Ehrenpforte, zahlreichen Flaggen und Kränzen geschmückt war. Inzwischen hatte sich der Westwind zu einem orkanartigen
Sturm entwickelt, und mit einigem Bangen gedachte man der kommenden Fahrt über den Viadukt. Auf dem Damm bei Apolda wurde ein Wärter
umgeweht und trotz des Gegenwindes und Schneesturmes wurde die Strecke mit einer langen Wagenreihe in nicht ganz 3 Stunden zurückgelegt.Die
beabsichtigte Festfahrt von Weimar nach Apolda fiel aber wegen schlechten Wetters aus, jedoch kehrte der Zug um 15.30 Uhr nach Weißenfels
wieder zurück. Die damalige Geschwindigkeit des Zuges betrug ca. 6 Meilen in der Stunde, das entspricht ungefähr 40-45 km/h.Vom 20.
Dezember an waren 3 Zugfahrten von Erfurt nach Halle und 3 Zugfahrten von Halle nach Erfurt im Fahrplan. Von nun an entwickelte sich
ein reger Zugverkehr auch im Güterverkehr.Am 25. September 1884 vernichtete ein Grossfeuer das Bahnhofsgebäude in Apolda. Im "Apoldaer
Tageblatt" vom 26.9.1 lesen wir: "Das Stationsgebäude unseres Bahnhofes steht als Ruine da. Gegen 4.00 Uhr wurde unsere Feuerwehr
alarmiert, "der Bahnhof brennt!" war das Alarmzeichen. Kurz nach 4. Uhr war die erste Spritze zur Stelle, die ihre Tätigkeit an der
Nordseite des brennenden Stationsgebäudes beginnen musste. Dreiviertel 4 Uhr fertigte der diensthabende Stationsvorste noch einen
Gueterzug ab, kaum die Gefahr des Brandes bemerkt und um 4.00 Uhr stand bereits die Nordseite des Gebäudes in vollen Flammen. Nach
wenigen Minuten brannte der Dachstuhl in seiner ganzen Ausdehnung und die Aufgabe der Feuerwehr konnte nur sein, das Feuer auf den
Dachstuhl des ganzen Gebäudes zu beschränken. Die Landspritze kam gegen 4.15 Uhr in Aktion und alles Material, was der hiesigen Stadt
an Löschapparaten zur Verfügung steht, war kurz darauf auch Stelle, trotzdem gelang es nicht, das Gebäude in soweit zu retten, dass
die erste Etage und die Parterrelokalitäten verschont blieben, das Feuer griff mit solcher Heftigkeit um sich, dass selbst die Parterrelokalitäten
durch die herunterstürzenden brennenden Balken nach der Nordseite hin, in welcher sich die Restaurationslokalitäten befinden, vollständig
zerstört wurden. Verschont blieben von den ganzen Gebäuden nur das Billet-, Telegraphen- und Gepäckbüro, in soweit wenigstens, als
das Feuer nicht direkt auf diese Lokale einwirken konnte. Man nimmt an, dass der Brand schon vor 3.00 Uhr morgens entstanden ist,
wunderbar ist allerdings, dass an dieser Stelle, wo der Dienst einen Teil des Beamtenpersonals die ganze Nacht hindurch wach hält,
wo man die Gefahr nicht rechtzeitig ahnen konnte."Im "Thüringer Tageblatt" vom 27.9.1884 konnte man lesen "Unser Bahnhof bietet heute
ein Bild der Verwüstung. Das Stationsgebäude ist total niedergebrannt, die Südseite desselben, die man gestern noch zu retten glaubte,
ist ebenfalls vollkommen zerstört, sodass nur noch die Umfassungsmauern stehen geblieben sind."
Die Königliche Direktion beabsichtigte auf der Stadtseite des Bahnhofs eine Baracke zu bauen wo alle Büros und die Restaurationslokalitäten
untergebracht werden. Vom Bahnhof Rosslau (Strecke Leipzig-Magdeburg-Falkenberg-Kohlefurt) sollte ein provisorischer Bau abgerissen
werden und in Apolda wieder neu aufgebaut werden. Der Standort war vermutlich in dem jetzigen Gartengrundstück zwischen dem jetzigen
Bahnhof und dem Güterschuppen. Die Inbetriebnahme des provisorischen Bahnhofsgebaeude war am Sonntag dem 14.12.1884. Nach vielen Mahnungen
an die Koenigl. Direktion wurde 1886 ein Entwurf für das neue Gebäude des Bahnhofs Apolda vorgelegt. Der Neubau begann am 4.2.1889
auf den Grundmauern des alten abgebrannten Bahnhofsgebäudes. Schon ein halbes Jahr später, am 12.8.1889, war der Mittelbau des neuen
Bahnhofsgebäudes rohbaufertig. Später konnte er seinen Bestimmungen übergeben werden. Ende 1893 kam das provisorische Empfangsgebäude
zur Versteigerung und am 2.4.1894 wurde mit dem Abriss und den Planierungsarbeiten begonnen. Um 1900 waren Hand- und Pferdewagen die
meisten Fahrzeuge vor dem Bahnhofsgebaeude zum Transport von Sachen und Personen. Das Hotel zur Post und das Hotel zur Weintraube
kamen mit eigenen Pferdedroschken. Das erste Auto konnte man am 20. April 1891 in Apolda sehen. Auf Eingaben der Stadt an die "Koenigliche
Eisenbahndirektion Erfurt" erhielten beide Bahnsteige eine ordentliche Oberflächenbefestigung und eine Überdachung in den Jahren 1905-1908.
Im Jahre 1906 wurde mit dem Bau des Personentunnels zwischen den Bahnsteigen begonnen. Im Jahre 1911 passierten 131 Zuege taeglich
den Bahnhof Apolda. In den Jahren 1912-1913 wurde die Schrankenanlage in der Sulzaer Strasse abgerissen und eine Strassenunterführung
gebaut. Gleichzeitig wurde mit dem Bau und der Befestigung der Dammstrasse begonnen. Während des 1. Weltkrieges wurden auf dem Bahnhof
Apolda barackenähnliche Gebäude gebaut, die Kriegsverpflegungsanstalt an der Sulzaer Strasse. Gleichzeitig baute man zwischen den
Gleisen eine Abbortanlage, welche wegen zu grosser Geruchsbelästigung Ende 1922, Anfang 1923 abgerissen wurde. Schon im Jahre 1924
kommen über 2000 Menschen zwischen 7.20 Uhr und 7.35 Uhr auf dem Bahnhof an, den sie durch 8 Sperren verlassen mussten. 1925 bestand
ein Weg von der Ecke der oberen Bahnhofstrasse in Richtung des jetzigen Kiosk ( jetziger Treppenaufgang ). Im Hanggelände vor dem
Bahnhof befand sich ein Eiskeller, der zur Lagerung von 1500 1 Benzol dienen sollte für die Personenpostlinie Apolda-Jena. Die jetzige
Treppenanlage in der Bahnhofstrasse wurde 1934 fertiggestellt. Sie wurde aus geschliffenen Ehringsdorfer Kalksandsteinen erbaut und
rechts und links davon Rosenrabatten angelegt. Bereits 1902 begannen die Verhandlungen zum Bau einer Eisenbahnunterführung an der
Niederrosslaer Strasse und fuer eine Brücke an der Goethestrasse. Jedoch erst am 31. August 1939 war die feierliche Eröffnung der
Eisenbahnunterführung und im Oktober 1939 war die Fertigstellung der Brücke in der Goethestrasse. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges
liegen wahrscheinlich keine Informationen mehr vor.